Art insight: Olga Johannes & der süße Duft chinesischer Mangos

Wir haben uns verliebt.

Es geschah an einem Donnerstagmorgen im Kölner Galerie-ArtCafé. Dort trafen wir unsere Künstlerin Olga Johannes, die dort zwei Wochen lang ihre Werke zeigte. Im Interview erzählte sie uns von ihrer Kunst, ihrer Zeit in China und warum Teleportation ihre Super-Power wäre. Begeistert hat sie aber nicht nur mit ihren Werken, sondern auch mit ihrer Leichtigkeit und ihrer wunderbaren Art, die Welt zu sehen.

Olga Johannes im Interview: „China ist das Nimmerland“

Olga Johannes: In Köln ausgestellte Werke

Wie fühlt es sich an, deine Kunst dort an der Wand zu sehen?

„Ich liebe es. Meine erste Ausstellung war in China, wo ich auch begonnen habe, zu malen. Beim ersten Mal war es wirklich peinlich, weil es sich angefühlt hat, als würde ich etwas präsentieren, was nicht für die Augen anderer bestimmt war. Und du weißt nicht, ob es den Leuten gefallen wird oder nicht. Aber es macht wirklich Spaß zu sehen, wenn den Leuten deine Motive gefallen.“

Du hast einige Jahre in China gelebt. Wie war das?

„China ist das Nimmerland. Man lebt als wäre man ein Kind ohne Eltern. Du kannst tun, was immer du willst. Es war eine der schönsten Zeiten meines Lebens, voller Reisen und Partys. Wir sind oft mit dem Bus an den Strand gefahren. In meiner Erinnerung hab ich den süßen Duft von Mangos in der Nase und alles schien wie ein endloser, immergrüner Sommer.

Es gibt unendlich viele Jobmöglichkeiten. Ich bin dorthin gezogen und konnte kein Wort Chinesisch. Ich habe die Sprache gelernt, einen Job gefunden und Kunst unterrichtet. Später wurde ich gefragt, ob ich an der Schule als Art Director arbeiten will. Es ist ein Ort voll endloser Perspektiven, besonders, wenn man Ambitionen hat.

Außerdem ist es leicht, Freunde zu finden. Wenn man hier dazu gehören will, muss man in eine bestehende Gruppe „eingeladen“ werden. In China ist das einfacher. Viele der Menschen, die man trifft, sind wie man selbst auf sich allein gestellt und freuen sich über neue Bekanntschaften. Dadurch trifft man die unterschiedlichsten Leute. Das ist unfassbar spannend. Ich hatte noch nie mit Menschen aus so vielen verschiedenen Bereichen zu tun.“

„Die Arbeit in der Schule war sehr inspirierend“

"Summer Heat" von Olga Johannes "Ready for your love" von Olga Johannes"Ginger People" von Olga Johannes

Wie hat China deine Kunst beeinflusst?

„Ich hatte schon vor China zahllose Alben voller Kritzeleien und Skizzen, aber keine vollendeten Werke. In China hat das Ganze dann Form angenommen. Ich war zum ersten Mal nicht ständig von Künstlern umgeben und habe das sehr vermisst. Darum habe ich angefangen, mich mehr mit meiner eigenen Kunst zu beschäftigen. Auch die Arbeit in der Schule war sehr inspirierend. Es war schön zu sehen, wie die Kinder, deren Ideen und Vorstellungen noch nicht in die starre Form der Schulbildung gepresst worden waren, an verschiedene Themen herangehen. Du siehst, was sie machen, und willst es ihnen dann direkt gleich tun.“

Passiert es dir auch mal, dass du dich leer fühlst und keine Ideen zu haben scheinst?

„Klar! Das sind die Momente, in denen man sich selbst echt hassen kann. Aber dann gibt es auch wieder Zeiten, in denen ich für 10 Stunden am Stück da sitzen und zeichnen kann ohne zur Toilette zu gehen und ohne zu essen. Die Ideen sind plötzlich wie fließendes Wasser.“

Was hilft dir, wenn du mal keine Ideen hast?

„Wenn man keine Ideen hat, ist es einfach das Beste, komplett aufzuhören. Ich koche dann, spaziere herum oder telefonier mit Freunden. Oft passiert es, dass ein Projekt fast fertig ist, ich aber den letzten Funken, die letzte Idee nicht finden kann. Wenn ich es dann eine Weile ruhen lasse und es mir später nochmal anschaue, habe ich die zündende Idee oder weiß, was das Projekt noch besser machen würde.“

„Ich starte nie direkt digital“

Olga Johannes und ihr Werk "Mother Monster"

Wie entstehen deine Werke?

„Es beginnt eigentlich immer mit einer Zeichnung. Manchmal bleibt es dann bei einer Arbeit mit Stift und Papier. Andere Male nehme ich eine Zeichnung als Grundlage und vollende das Werk digital. Es ist oft eine Mischung aus beiden, am Anfang steht aber immer die Zeichnung. Ich starte nie direkt digital.“

Welche Musik hörst du, wenn du arbeitest?

„Ich höre alle möglichen Musikrichtungen – und alle beeinflussen meine Arbeit auf eine andere Art und Weise. Wenn man die Musik ändert, ändert sich auch deine Stimmung. In letzter Zeit habe ich viel von den Foo Fighters gehört. Aber ich mag auch klassische Musik. Wenn man z.B. Vivaldi hört, inspiriert einen das ungemein.“

Wenn du niemals Künstlerin geworden wärst, was wärst du heute?

„Eine Archäologin. Ich liebe die Archäologie. Ich habe mich schon immer für das Alte Griechenland und Ägypten interessiert. Als Kind habe ich bis spät nachts Bücher darüber verschlungen. Vielleicht wäre ich aber auch Wissenschaftlerin. Oder Astronautin!“

Wenn du eine Super-Power hättest, welche wäre das?

„Teleportation. Wenn man viel reist und immer wieder Länder verlässt, bedeutet das auch immer, Menschen und Orte zurückzulassen, die dir wichtig geworden und ans Herz gewachsen sind. Wenn ich mich einfach dorthin teleportieren könnte, wäre ich der glücklichste Mensch der Welt!“

Einhorn oder Dinosaurier?

„Hm, schwierig… Einhörner sind so zerbrechlich und es ist schwer, in dieser Welt zu überleben, wenn man so zerbrechlich ist. Also müssten sie etwas tougher werden. Vielleicht mit einer Mischung aus Einhorn und Dinosaurier?“

Das Meer oder die Berge?

„Die Berge am Meer. Ich habe das Meer erst mit 14 Jahren zum ersten Mal gesehen. Darum kann ich mich heute nicht von ihm trennen. Aber die Berge liebe ich auch – darum wäre beides zusammen perfekt.“

Hast du ein Lieblingsmotiv?

„Ja, die blaue Dame. Ich weiß gar nicht so genau, warum. Vermutlich weil sie eines der ersten Motive war, die ich fertig gestellt habe.“

Vielen lieben Dank, Olga, für dieses Interview!

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